{"id":395,"date":"2020-01-29T12:42:00","date_gmt":"2020-01-29T11:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/neustrelitz-evangelisch.de\/?p=395"},"modified":"2020-01-29T12:45:40","modified_gmt":"2020-01-29T11:45:40","slug":"zierker-kirche-bericht-ueber-die-einweihungsfeiern-der-kirchgemeinde-im-jahr-1867","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neustrelitz-evangelisch.de\/index.php\/2020\/01\/29\/zierker-kirche-bericht-ueber-die-einweihungsfeiern-der-kirchgemeinde-im-jahr-1867\/","title":{"rendered":"Zierker Kirche &#8211; Bericht \u00fcber die Einweihungsfeiern der Kirchgemeinde im Jahr 1867"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Am 30. Juni 1867 berichtet der Konsistorialrat Werner dem gro\u00dfherzoglichen Konsistorium Folgendes:<br><br>(unwesentlich gek\u00fcrzt)<br><br>\u201c\u00dcber die Einweihung der neuen Kirche zu Zierke, welche am Sonntag nach Trinitatis 23. Juni stattgefunden hat, berichte ich &#8230; dem Vorstande:<br>Der Gottesdienst an dem erw\u00e4hnten Tage sollte nach Befehl Sm. K\u00f6nigl. Hoh. des Gro\u00dfherzogs, welcher &#8230; pers\u00f6nlich beiwohnen wollte, um 11 Uhr Vorm. beginnen, und ich begab mich daselbst schon 10 \u00bd Uhr nach Zierke, um wegen der Aufstellung bei dem Gange um die Kirche noch einige Anordnungen zu treffen.<br> <br>Das Dorf war mit Fahnen und Laubgirlanden festlich geschm\u00fcckt, am Eingang in dieselbe, sowie auf dem Wege zum K\u00fcsterhause erhoben sich Ehrenpforten und den Eingang zur Kirche bildete ein S\u00e4ulengang aus Laub.<br>Auf der Dorfstra\u00dfe hatte sich schon eine gro\u00dfe Menge von M\u00e4nnern aus den Gemeinden zu Zierke, Torwitz und Pr\u00e4lank gesammelt und warteten auf die Ankunft des Gro\u00dfherzogs.<br>Um bei dem gro\u00dfen Andrang von Fremden, in sonders aus Neustrelitz, Unordnung zu verh\u00fcten, waren auf Anordnung des Amts Strelitz Billette zu Sitz- und Stehpl\u00e4tzen in der Kirche ausgegeben worden und hatten sich die weiblichen Mitglieder der Gemeinde dahin schon vor der Feier (in die Kirche) begeben m\u00fcssen. Auf meine Vorstellung dagegen war mir entgegnet worden, dasselbe sei bei der Einweihung der F\u00fcrstenberger Kirche und der Schlo\u00dfkirche geschehen und sei in Zierke nicht weniger n\u00f6tig.<br>F\u00fcr den Gro\u00dfherzog, sowie f\u00fcr sein n\u00e4chstes Gefolge und die &#8230; allerh\u00f6chsten zur Feier eingeladenen G\u00e4ste aus der Stadt standen St\u00fchle &#8230; (am) Altar und den rechten B\u00e4nken im Schiff der Kirche.<br> <br>Um 11 \u00bd Uhr wurde unter dem Gel\u00e4ute der aus dem Brand geretteten Glocken in Absingung der 2 ersten Verse des Liedes: \u201cAllein Gott in der H\u00f6h&#8216; sei Ehr&#8216; der Umgang um die Kirche gehalten: Voran zog die Schuljugend, dem sich der Neustrelitzer Kirchenchor anschlo\u00df; es folgten beide Pastoren, von denen einer den Kelch mit der Patene und der andere die Abendmahlskanne und die Kirchenordnung trug; darauf kam allein der Baumeister Oberbaurat Buttel, auf einem Samt(kissen?) den Schl\u00fcssel der Kirche tragend, unmittelbar hinter ihm der Gro\u00dfherzog, gef\u00fchrt von &#8230; v. Oertzen, und nach ihm sein Gefolge nebst seinen geladenen Herrn und Damen aus der Stadt; den Schlu\u00df des Zuges bildete der m\u00e4nnliche Teil der Gemeinde.<br>Nach dem Umgange hielt bei \u00dcberreichung des Schl\u00fcssels Oberbaurat Buttel eine Ansprache an Serenissimi, welcher mit einigen freundlichen, den Baumeister und sein Werk lobenden Worten den Schl\u00fcssel annahm und mir \u00fcbergab, um die Kirche aufschlie\u00dfen zu lassen.<br> <br>Nachdem der Zug sich in die Kirche begeben und ihren ganzen Raum im Schiff und auf den beiden Emporen teils stehend, teils sitzend eingenommen hatte, wurde unter Leitung des Kirchenchores das Lied No 842 * kr\u00e4ftig und recht klingend gesungen, alsdann sprach ich ein votum, &#8230; und hielt, Psalm 84 zu Grunde legend, die Einweihungsrede, worin ich darzutun suchte, wie Gott verhei\u00dfen habe, mit seinen Gnadenmitteln gegenw\u00e4rtig zu sein in Geist und in der Wahrheit, und was daher f\u00fcr uns gottesdienstliche St\u00e4tten bedeuteten; erinnerte an die alte Kirche, die hier gestanden habe, wann und wie sie entstanden und wieder zerst\u00f6rt worden, gedachte &#8230; der neuen und derer, die darin Einzelnes (Altarbild, Altarbekleidung, Kelch und Patene, Abendmahlskanne und Taufstein) geschenkt hatten, ermahnte die Gemeinde zu flei\u00dfigem Besuch der Kirche und schlo\u00df mit dem Weihegebet, welchem ein Halleluja, vom Kirchenchor gesungen, folgte.<br> <br>Danach fand der gew\u00f6hnliche Sonntagsgottesdienst statt: das Eingangslied war N\u00b0 10 **, das Hauptlied N\u00b0 313 ***, und es predigte Pastor R\u00fcdiger \u00fcber das Sonntagsevangelium Luc. 16, 19-31 \u00b9, indem er daraus als Thema einen Blick in das Jenseits und einen Rat f\u00fcr das Diesseits entnahm.<br>Nach der Predigt sang der Kirchenchor 480,2 ****, und ich versah den schl\u00fc\u00dflichen Altardienst. Die ganze Feier war um 1 Uhr zu Ende.<br>Drau\u00dfen vor der Kirche stellte ich dem Gro\u00dfherzog den Gemeindevorstand, welcher ihm in ihren und im Namen der Gemeinde ihren Dank aussprechen wollten, vor, und verlie\u00df h\u00f6chstdenselben nach einigen Worten an die Vorst\u00e4nde und unter einem Hoch der Gemeinde den Ort.\u201c<br> <br> <\/strong><em><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/em><strong><br> <br> * Lied 842<br> 1. Herr aller Herrscher, dir, dir Vater, danken wir. Allm\u00e4chtiger, du schuffst die Welt, dein Wille ist&#8217;s, der sie erh\u00e4lt. Der V\u00f6lker Schicksal w\u00e4gst du ab, giebst F\u00fcrsten ihren Herrscherstab; du segnest und du strafst das Land, und Alles kommt aus deiner Hand, Gott Sch\u00f6pfer, unser Gott! Erhalter, unserer Gott! Des Volks, des F\u00fcrsten Gott! Jehovah Zebaoth!<br> 2. Wenn ein Tyrann das Scepter f\u00fchrt, und, dir zum Hohn, sein Volk regiert, das ist, o Herr, dein Strafgericht, das schreckend zu den Menschen spricht. Doch wenn ein F\u00fcrst, mild und gerecht, regiert als dein getreuer Knecht, wenn er auf frommer Tugend Bahn als leuchtend Vorbild geht voran; wenn, mit des Volkes Gl\u00fcck zugleich, er f\u00f6rdern will dein g\u00f6ttlich Reich; ein solcher Segen kommt von dir, und dir sey Lob und Preis daf\u00fcr.<br> &#8230;<br> <br> ** Lied 10<br> 1. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend&#8216;, dein&#8217;n Geist du zu uns send&#8216;, mit H\u00fclf&#8216; und Gnad&#8216; er uns regier&#8216;, und uns den Weg zur Wahrheit f\u00fchr&#8216;!<br> 2. Thu&#8216; auf den Mund zum Lobe dein, bereit&#8216; das Herz zur Andacht fein, den Glauben mehr&#8216;, st\u00e4rk&#8216; den Verstand, da\u00df uns dein Nam&#8216; werd&#8216; wohl bekannt.<br> 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr! und schauen dich von Angesicht, in ew&#8217;ger Freud und sel&#8217;gem Licht.<br> 4. Ehr&#8216; sey Gott Vater und dem Sohn, dem heil&#8217;gen Geist in einem Thron, der heiligen Dreieinigkeit sey Lob und Preis in Ewigkeit.<br> <br> *** Lied 313<br> 1. Mache dich, mein Geist, bereit, wache, fleh&#8216; und bete, da\u00df dir nicht die b\u00f6se Zeit pl\u00f6tzlich nahe trete; unverhofft ist schon oft \u00fcber viele Frommen die Versuchung kommen.<br> 2. S\u00e4ume nicht und wache auf von dem S\u00fcndeschlafe, sonst ereilt mit schnellem Lauf dich Gericht und Strafe. Sieh, es droht dir der Tod; la\u00df dich nicht in S\u00fcnden unbereitet finden.<br> &#8230;<br> <br> \u00b9 Luc. 16, 19-31 Es war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und k\u00f6stlichem Leinwand, und lebete alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Th\u00fcre, voller Schw\u00e4ren, und begehrte sich zu s\u00e4ttigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen. Doch kamen die Hunde, und leckten seine Schw\u00e4ren.<br> Es begab sich aber, da\u00df der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoo\u00df; der Reiche aber starb auch und ward begraben.<br> Als er nun in der H\u00f6lle und in der Quaal war, hub er seine Augen auf und sahe Abraham von ferne, und Lazarum in seinem Schoo\u00df, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein! und sende Lazarum. da\u00df er das \u00e4u\u00dferste seines Fingers ins Wasser tauche und k\u00fchle meine Zunge, denn ich leide Pein in dieser Flamme.<br> Abraham aber sprach: Gedenke Sohn, da\u00df du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat B\u00f6ses empfangen. Nun aber wird er getr\u00f6stet, und du wirst gepeinigt. Und \u00fcber das alles ist zwischen uns und euch eine gro\u00dfe Kluft bevestiget, da\u00df, die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, k\u00f6nnen nicht, und auch nicht von dannen zu uns her\u00fcberfahren.<br> Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, da\u00df du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch f\u00fcnf Br\u00fcder, da\u00df er ihnen bezeuge, auf da\u00df sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.<br> Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten, la\u00df sie dieselbigen h\u00f6ren.<br> Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Todten zu ihnen ginge, so w\u00fcrden sie Bu\u00dfe thun.<br> Er sprach zu ihm: H\u00f6ren sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Todten auferst\u00fcnde.<br> <br> **** Lied 480<br> 2. Wer erst am Schlu\u00df der Lebensbahn auf seine S\u00fcnden siehet, und wenn er nicht mehr s\u00fcnd&#8217;gen kann, zu deiner Gnade fliehet, der geht den Weg zum Leben nicht, den uns, o Gott, dein Unterricht in deinem Wort bezeichnet.<\/strong> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 30. Juni 1867 berichtet der Konsistorialrat Werner dem gro\u00dfherzoglichen Konsistorium Folgendes: (unwesentlich gek\u00fcrzt) \u201c\u00dcber die Einweihung der neuen Kirche zu Zierke, welche am Sonntag nach Trinitatis 23. Juni stattgefunden hat, berichte ich &#8230; dem Vorstande:Der Gottesdienst an dem erw\u00e4hnten Tage sollte nach Befehl Sm. K\u00f6nigl. 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