Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinden Strelitzer Land · Kiefernheide · Kratzeburg

Zierker Kirche – Bericht über die Einweihungsfeiern der Kirchgemeinde im Jahr 1867

Am 30. Juni 1867 berichtet der Konsistorialrat Werner dem großherzoglichen Konsistorium Folgendes:

(unwesentlich gekürzt)

“Über die Einweihung der neuen Kirche zu Zierke, welche am Sonntag nach Trinitatis 23. Juni stattgefunden hat, berichte ich … dem Vorstande:
Der Gottesdienst an dem erwähnten Tage sollte nach Befehl Sm. Königl. Hoh. des Großherzogs, welcher … persönlich beiwohnen wollte, um 11 Uhr Vorm. beginnen, und ich begab mich daselbst schon 10 ½ Uhr nach Zierke, um wegen der Aufstellung bei dem Gange um die Kirche noch einige Anordnungen zu treffen.

Das Dorf war mit Fahnen und Laubgirlanden festlich geschmückt, am Eingang in dieselbe, sowie auf dem Wege zum Küsterhause erhoben sich Ehrenpforten und den Eingang zur Kirche bildete ein Säulengang aus Laub.
Auf der Dorfstraße hatte sich schon eine große Menge von Männern aus den Gemeinden zu Zierke, Torwitz und Prälank gesammelt und warteten auf die Ankunft des Großherzogs.
Um bei dem großen Andrang von Fremden, in sonders aus Neustrelitz, Unordnung zu verhüten, waren auf Anordnung des Amts Strelitz Billette zu Sitz- und Stehplätzen in der Kirche ausgegeben worden und hatten sich die weiblichen Mitglieder der Gemeinde dahin schon vor der Feier (in die Kirche) begeben müssen. Auf meine Vorstellung dagegen war mir entgegnet worden, dasselbe sei bei der Einweihung der Fürstenberger Kirche und der Schloßkirche geschehen und sei in Zierke nicht weniger nötig.
Für den Großherzog, sowie für sein nächstes Gefolge und die … allerhöchsten zur Feier eingeladenen Gäste aus der Stadt standen Stühle … (am) Altar und den rechten Bänken im Schiff der Kirche.

Um 11 ½ Uhr wurde unter dem Geläute der aus dem Brand geretteten Glocken in Absingung der 2 ersten Verse des Liedes: “Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘ der Umgang um die Kirche gehalten: Voran zog die Schuljugend, dem sich der Neustrelitzer Kirchenchor anschloß; es folgten beide Pastoren, von denen einer den Kelch mit der Patene und der andere die Abendmahlskanne und die Kirchenordnung trug; darauf kam allein der Baumeister Oberbaurat Buttel, auf einem Samt(kissen?) den Schlüssel der Kirche tragend, unmittelbar hinter ihm der Großherzog, geführt von … v. Oertzen, und nach ihm sein Gefolge nebst seinen geladenen Herrn und Damen aus der Stadt; den Schluß des Zuges bildete der männliche Teil der Gemeinde.
Nach dem Umgange hielt bei Überreichung des Schlüssels Oberbaurat Buttel eine Ansprache an Serenissimi, welcher mit einigen freundlichen, den Baumeister und sein Werk lobenden Worten den Schlüssel annahm und mir übergab, um die Kirche aufschließen zu lassen.

Nachdem der Zug sich in die Kirche begeben und ihren ganzen Raum im Schiff und auf den beiden Emporen teils stehend, teils sitzend eingenommen hatte, wurde unter Leitung des Kirchenchores das Lied No 842 * kräftig und recht klingend gesungen, alsdann sprach ich ein votum, … und hielt, Psalm 84 zu Grunde legend, die Einweihungsrede, worin ich darzutun suchte, wie Gott verheißen habe, mit seinen Gnadenmitteln gegenwärtig zu sein in Geist und in der Wahrheit, und was daher für uns gottesdienstliche Stätten bedeuteten; erinnerte an die alte Kirche, die hier gestanden habe, wann und wie sie entstanden und wieder zerstört worden, gedachte … der neuen und derer, die darin Einzelnes (Altarbild, Altarbekleidung, Kelch und Patene, Abendmahlskanne und Taufstein) geschenkt hatten, ermahnte die Gemeinde zu fleißigem Besuch der Kirche und schloß mit dem Weihegebet, welchem ein Halleluja, vom Kirchenchor gesungen, folgte.

Danach fand der gewöhnliche Sonntagsgottesdienst statt: das Eingangslied war N° 10 **, das Hauptlied N° 313 ***, und es predigte Pastor Rüdiger über das Sonntagsevangelium Luc. 16, 19-31 ¹, indem er daraus als Thema einen Blick in das Jenseits und einen Rat für das Diesseits entnahm.
Nach der Predigt sang der Kirchenchor 480,2 ****, und ich versah den schlüßlichen Altardienst. Die ganze Feier war um 1 Uhr zu Ende.
Draußen vor der Kirche stellte ich dem Großherzog den Gemeindevorstand, welcher ihm in ihren und im Namen der Gemeinde ihren Dank aussprechen wollten, vor, und verließ höchstdenselben nach einigen Worten an die Vorstände und unter einem Hoch der Gemeinde den Ort.“

Anmerkungen:

* Lied 842
1. Herr aller Herrscher, dir, dir Vater, danken wir. Allmächtiger, du schuffst die Welt, dein Wille ist’s, der sie erhält. Der Völker Schicksal wägst du ab, giebst Fürsten ihren Herrscherstab; du segnest und du strafst das Land, und Alles kommt aus deiner Hand, Gott Schöpfer, unser Gott! Erhalter, unserer Gott! Des Volks, des Fürsten Gott! Jehovah Zebaoth!
2. Wenn ein Tyrann das Scepter führt, und, dir zum Hohn, sein Volk regiert, das ist, o Herr, dein Strafgericht, das schreckend zu den Menschen spricht. Doch wenn ein Fürst, mild und gerecht, regiert als dein getreuer Knecht, wenn er auf frommer Tugend Bahn als leuchtend Vorbild geht voran; wenn, mit des Volkes Glück zugleich, er fördern will dein göttlich Reich; ein solcher Segen kommt von dir, und dir sey Lob und Preis dafür.


** Lied 10
1. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend‘, dein’n Geist du zu uns send‘, mit Hülf‘ und Gnad‘ er uns regier‘, und uns den Weg zur Wahrheit führ‘!
2. Thu‘ auf den Mund zum Lobe dein, bereit‘ das Herz zur Andacht fein, den Glauben mehr‘, stärk‘ den Verstand, daß uns dein Nam‘ werd‘ wohl bekannt.
3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr! und schauen dich von Angesicht, in ew’ger Freud und sel’gem Licht.
4. Ehr‘ sey Gott Vater und dem Sohn, dem heil’gen Geist in einem Thron, der heiligen Dreieinigkeit sey Lob und Preis in Ewigkeit.

*** Lied 313
1. Mache dich, mein Geist, bereit, wache, fleh‘ und bete, daß dir nicht die böse Zeit plötzlich nahe trete; unverhofft ist schon oft über viele Frommen die Versuchung kommen.
2. Säume nicht und wache auf von dem Sündeschlafe, sonst ereilt mit schnellem Lauf dich Gericht und Strafe. Sieh, es droht dir der Tod; laß dich nicht in Sünden unbereitet finden.


¹ Luc. 16, 19-31 Es war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlichem Leinwand, und lebete alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thüre, voller Schwären, und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen. Doch kamen die Hunde, und leckten seine Schwären.
Es begab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooß; der Reiche aber starb auch und ward begraben.
Als er nun in der Hölle und in der Quaal war, hub er seine Augen auf und sahe Abraham von ferne, und Lazarum in seinem Schooß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein! und sende Lazarum. daß er das äußerste seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge, denn ich leide Pein in dieser Flamme.
Abraham aber sprach: Gedenke Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen. Nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeinigt. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft bevestiget, daß, die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüberfahren.
Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.
Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten, laß sie dieselbigen hören.
Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Todten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun.
Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Todten auferstünde.

**** Lied 480
2. Wer erst am Schluß der Lebensbahn auf seine Sünden siehet, und wenn er nicht mehr sünd’gen kann, zu deiner Gnade fliehet, der geht den Weg zum Leben nicht, den uns, o Gott, dein Unterricht in deinem Wort bezeichnet.